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Villa Ohl

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Villa Ohl

Pulvermuseum

2007

Das „schöne und sehr kostbare Haus zu Ohl“

Mit der Villa Buchholz in Ohl besitzt Wipperfürth eins der prominentesten bergischen Bürgerhäuser des frühen 19. Jahrhunderts. Den Namen hat es allerdings nicht von den Bauherren; diese waren nämlich die Söhne des erfolgreichen Kaufmanns Johann Hermann Cramer zu Krommenohl. Gottlieb (1775 bis 1848) und Carl Theodor (1781 bis 1851) hatten von ihrem Vater Hammerwerke und Pulvermühlen geerbt. Ihre Mutter Anna Maria war eine Tochter des Johann Friedrich Clarenbach von der Neye, der in Ohl zwei Hämmer und ein Haus errichtet hatte; nach ihm hieß der Ort in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts „Clarenbachs Ohl“.

Der evangelische Pastor Vogt berichtet, dass die Gebrüder Cramer „jenes schön eingerichtete große und dauerhafte von ihrem Großvater erbaute Haus“ „in den Jahren 1807 käuflich an sich brachten, und der Aussicht und Verschönerung der Lage wegen ... bis auf den Grund abbrachen, und darauf in dessen Nähe das jetzige große und schöne und sehr kostbare Haus nahe der Chaussee zu Ohl erbauen ließen“.

Das Haus, dessen Architekt nicht bekannt ist, beeindruckt noch heute durch seine Größe und die klassizistische Gestaltung seiner Fassade; Pilaster mit ionischen Kapitellen betonen die Ecken und rahmen den von einem mit reichem Rankenwerk gefüllten Giebel bekrönten Mittelrisaliten. Eine Freitreppe führt zu der im Empire-Stil gearbeiteten Eingangstür. Im Inneren sind es vor allem die geräumige Diele und die elegant gewendelte Treppe mit dem aus Eichenholz gefertigten Geländer, aber auch der große Saal im Obergeschoss mit seinen Stuckarbeiten, die vom Repräsentations-willen der Bauherren und der gehobenen Wohnkultur der Erbauungszeit künden. Nicht erhalten ist der Hintereingang mit dem Dienstbotentreppenhaus, das es dem Personal ermöglichte, die Speisen aus der Küche im Erdgeschoss in den Saal zu bringen, ohne den Weg der Gäste zu kreuzen.

Als sich die Brüder entschlossen, ihren Besitz zu teilen, fiel das neue Haus an Carl Theodor, während Gottlieb, der während der napoleonischen Herrschaft über das Bergische Land Bürgermeister der neu gegründeten Gemeinde Klüppelberg gewesen war, zusammen mit seiner verwitweten Schwester das 1791 vom Vater erbaute Krommenohler Haus bezog; auch dieses Haus ist erhalten, wurde allerdings durch diverse Anbauten verändert.

Vom Palast für einen Junggesellen zum Zentrum des „Königreichs Buchholz“

Gottlieb und Carl Theodor Cramer, die beide unverheiratet blieben, nahmen um 1830 Carl Friedrich Buchholz (1805 bis 1884), den Sohn ihrer Schwester, als Teilhaber in ihre Firmen und setzten ihn auch als Erben ein. Nach der Heirat mit einer Erbin der Rönsahler Cramer-Linie besaß dieser neben beträchtlichen Ländereien einen Großteil der an der Wipper und ihren Nebenbächen arbeitenden Pulvermühlen. Die Produkte der Firma „Cramer & Buchholz“ erlangten in den folgenden Jahren Weltgeltung, und die Villa in Ohl wurde zum repräsentativen Zentrum des „Königreichs Buchholz“. Sie sah aber auch viele private Kümmernisse; als Carl Friedrichs Frau Friederike nach längerem Leiden starb, war das älteste ihrer sieben Kinder noch keine dreizehn, das jüngste nicht einmal zwei Jahre alt.

1873 übergab Carl Friedrich Buchholz die Firmenleitung an seine Söhne Carl August (1837 bis 1914), der in Ohl residierte, und Eugen (1841 bis 1908), der das Krommen-ohler Haus bewohnte. Die Brüder rüsteten den ehemaligen Hammer im „Alten Ohl“ zum Kraftwerk um, so dass Ohl und Krommenohl noch vor der Großstadt Köln elektrisches Licht bekamen. Nach der Gründung des Zweigwerks Rübeland im Jahr 1873 verschob sich der Schwerpunkt der Pulverproduktion immer mehr in den Harz. Firmensitz war seit 1912 Hannover. Als Kaiser Wilhelm II. am 16. Oktober 1913 auf seiner eintägigen Reise durchs Bergische Land der Ohler Villa einen Kurzbesuch abstattete, war das Haus im Grunde bereits „altmodisch“ und wurde nur noch vom greisen Carl August und seiner Tochter Johanna bewohnt. Bald waren auch die Tage des „Königreichs Buchholz“ gezählt; 1918 wurde die Firma verkauft, wobei der Kaufpreis zu einem beträchtlichen Teil in Kriegsanleihen gezahlt wurde ...

Als letztes Familienmitglied hat Johanna Buchholz (gest. 1951) das Haus bewohnt, in den letzten Jahren ihres Lebens zusammen mit vielen anderen Menschen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs eine vorläufige Bleibe suchten; die großen Räume wurden provisorisch unterteilt, um zusätzliche Wohneinheiten zu schaffen. Die Parteien wechselten häufig, und Mittel für die nötigen Reparaturen waren kaum vorhanden; so wurde das prächtige Haus „heruntergewohnt“. In dem halben Jahrhundert nach Johannas Tod gab es mehrere Eigentümerwechsel. Nach dem Kauf der Villa durch den Wipperfürther Ingenieur Heiko Voss starteten endlich ernsthafte und erfolgreiche Bemühungen um eine Sanierung und fachgerechte Restaurierung. Am „Tag des offenen Denkmals“ des Jahres 2003 war die Öffentlichkeit erstmals eingeladen, sich ein Bild vom Umfang und Fortgang der Restaurierungsmaßnahmen zu machen. Genau 11 Jahre später, am 14. September 2014, öffnet das restaurierte Haus wieder seine Pforten für interessierte Besucher. Zugleich wird an diesem Tag das zehnjährige Jubiläum des Bergischen Pulvermuseums gefeiert, das hier untergebracht ist.

Tag des offenen Denkmals 2014: Thema „Farbe“

Der Tag des offenen Denkmals ist 2014 dem Thema „Farbe“ gewidmet. Auch hier kann die Villa in Ohl ihren Beitrag leisten. Wir haben uns daran gewöhnt, den Farbdreiklang Grau (Schiefer) ? Weiß (Fenster, Gesimse etc.) ? Grün (Fensterläden) für typisch bergisch zu halten und vergessen dabei, dass dieser Kanon sich erst um 1900 verfestigt hat. Alle vor 1900 entstandenen Fotos der Villa Buchholz zeigen dunkel gestrichene Fensterrahmen und -sprossen; bei vielen anderen klassizistischen Häusern des Bergischen Landes lässt sich Entsprechendes beobachten. Die Aufnahmen aus der Zeit um 1885 zeigen, dass auch die Basen und Kapitelle der Pilaster dunkel gestrichen waren. Es kann nicht einmal als gesichert gelten, dass das Ohler Haus von Anfang an verschiefert war; die um 1800 erbauten reichen Häuser in Wipperfürth waren durchgehend verputzt und hell getüncht; Gleiches gilt für Rönsahl und auch für Johann Hermann Cramers Haus in Krommenohl (erbaut1791).

 

um 1885
um 1905

Oberlichtschnitzerei (verschollen)

Quelle: Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth, Erich Kahl


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